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Kälte oder Wärme? Cryoballon- verglichen mit Radiofrequenzablation bei paroxysmalem Vorhofflimmern
Das Ziel dieser Studie war es, Cryoballonablation (Verödung mit Kälte) und Radiofrequenzablation bei Patienten mit anfallsartigem (paroxysmalem) Vorhofflimmern zu vergleichen. Es wurden die Erfolgsraten, die Muster der Leitungserholung in den Lungenvenen (Pulmonalvenen) bei Rezidiven und der durch die applizierte Energie verursachte Myokardschaden durch die Messung von Troponin T Werten untersucht.
Zu diesem Zweck wurden 50 Patienten (Alter 59±9 Jahre) mit paroxysmalem Vorhofflimmern in die Studie eingeschlossen. Die Cryoballonablation kam bei 25 Patienten zum Einsatz, wobei aufgrund des Auftretens von Zwerchfelllähmung (Phrenikusparese) in früheren Studien mit dem 23-mm Ballon nur der 28-mm Ballon zum Einsatz kam. In einer vergleichbaren Kontrollgruppe von 25 Patienten wurde die Ablation mittels Radiofrequenzenergie durchgeführt.
Die Dauer des Eingriffs war mit 166±32 Minuten in der Cryoballon-Gruppe kürzer als in der Radiofrequenz-Gruppe (197±52 Minuten; p=0.014). Die Durchleuchtungszeit hingegen war in der Cryoballon-Gruppe mit 61±25 Minuten länger als in der Radiofrequenz-Gruppe (46±22 Minuten; p=0.028). Bei ähnlichen absoluten Ablationszeiten kam es 18 Stunden nach dem Eingriff zu einem ausgeprägteren Anstieg des Troponin T in der Radiofrequenzgruppe (1.29±0.41 µg/l) im Vergleich zur Cryoballon-Gruppe (0.76±0.55 µg/l; p=0.002). Bei den Patienten, bei denen eine zweite Intervention durchgeführt werden musste, lag der Ort der Leitungserholung nach Cryoballonablation zu 74% im unteren Bereich der Ostien der Pulmonalvenen gegenüber nur 17% in der Radiofrequenzgruppe (p=0.0004). Mit im Mittel 1.2±0.4 Interventionen pro Patient in der Cryoballon-Gruppe und 1.3±0.6 Interventionen pro Patient in der Radiofrequenz-Gruppe, waren 88% respektive 92% der Patienten ohne Antiarrhythmika anhaltend im Sinusrhythmus, dies nach einem Follow-up von 12±3 Monaten.
Zusammenfassend zeigte sich in dieser nicht-randomisierten Vergleichstudie bei Patienten mit strikt paroxysmalem Vorhofflimmern, dass mittels Cryoballonablation etwas kürzere Interventionszeiten bei allerdings längerer Durchleuchtungszeit erreicht werden. Bei ähnlichen absoluten Ablationszeiten kommt es postinterventionell durch die Cryoballonablation zu weniger ausgeprägten Anstiegen des Troponin T. Bezüglich der Erfolgrate nach 12±3 Monaten Follow-up fand sich zwischen den beiden Gruppen kein Unterschied.
- Kühne M, Suter Y, Altmann D, Ammann P, Schaer B, Osswald S, Sticherling C. Cryoballoon versus radiofrequency catheter ablation of paroxysmal atrial fibrillation: Biomarkers of myocardial injury, recurrence rates, and pulmonary vein reconnection patterns. Heart Rhythm. 2010 Dec;7(12):1770-6
Tod und kardiovaskuläre Ereignisse bei Frauen mit Vorhofflimmern
Auch gesunde Frauen weisen ein erhöhtes Komplikations- und Sterberisiko bei Vorhofflimmern auf. Bislang führte man das erhöhte Risiko vor allem auf die mit dem Vorhofflimmern oft gleichzeitig auftretenden Begleitererkrankungen zurück. Mit Prävention und strikter Behandlung der Komplikationen kann das Risiko verringert werden. Dies belegt eine Studie der Universitäten Basel und Harvard, deren Forschungsergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift JAMA publiziert sind.
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung in der Bevölkerung. Frühere Studien an älteren Bevölkerungsgruppen mit einer erheblichen Häufung von relevanten Begleiterkrankungen haben gezeigt, dass Patientinnen mit Vorhofflimmern ein erhöhtes Risiko aufweisen zu sterben oder an anderen schwerwiegenden Komplikationen zu erkranken. Auffällig an diesen Studien war, dass dieses Risiko besonders in den ersten 30 Tagen nach der ersten Vorhofflimmer-Diagnose auftrat, was den Schluss nahelegte, dass hauptsächlich die schwerwiegenden Begleiterkrankungen dafür verantwortlich waren und nicht die Rhythmusstörung selbst.
Eine Studie der Universitäten Basel und Harvard sowie des Universitätsspitals Basel mit gesunden Frauen konnte nun das aus früheren Studien bekannte Sterberisiko durch Vorhofflimmern bestätigen, obwohl das Mortalitätsrisiko innerhalb der ersten 30 Tage nach Diagnosestellung nicht erhöht war. Das absolute Sterberisiko war insgesamt tief, was das niedrigere Gesamtrisiko dieser Population herausstreicht.
Aus der Studie kann weiter gefolgert werden, dass ein Teil des erhöhten Sterberisikos bei Patientinnen mit Vorhofflimmern durch schwerwiegende Komplikationen wie Schlaganfall oder Herzschwäche bedingt ist, sodass durch eine optimale Prävention und eine strikte Behandlung dieser Komplikationen eine Verringerung des Sterberisikos bei Patientinnen mit Vorhofflimmern erreicht werden kann. Dieser Aspekt ist wichtig, da bisher praktisch keine Behandlung des etablierten Vorhofflimmerns eine Reduktion der Mortalität gezeigt hat. Schliesslich fanden die Studienmacher Hinweise, dass Frauen mit vorübergehendem Vorhofflimmern ein niedrigeres Risiko aufweisen als Frauen mit permanentem Vorhofflimmern.
- David Conen MD MPH, Claudia U. Chae MD MPH, Robert J. Glynn ScD, Usha B. Tedrow MD MPH, Brendan M. Everett MD MPH, Julie E. Buring ScD, Christine M. Albert MD MPH. Risk of Death and Cardiovascular Events in Initially Healthy Women with New-Onset Atrial Fibrillation. JAMA. 2011;305(20):2080-2087
Risiko für Vorhofflimmern und hoher Blutdruck
Bluthochdruck ist ein Risikofaktor für das spätere Auftreten von Vorhofflimmern. In früheren Untersuchungen hat man gesehen, dass gewisse Medikamentengruppen, die üblicherweise zur Blutdruckbehandlung eingesetzt werden, das Auftreten von Vorhofflimmern verhindern können. Die Hauptprobleme dieser Untersuchungen waren aber, dass a) nur jeweils 2 verschiedene Medikamente gegeneinander verglichen wurden und dass es sich b)bei weitem nicht nur um Patienten mit alleinigem Bluthochdruck handelte, sonder auch Patienten z.B. mit Herzschwäche oder Lungenkrankheiten eingeschlossen worden waren.
In unserer Arbeit versuchten wir, diese beiden „Fehler“ zu vermieden, in dem wir alle 5 aktuell erhältlichen Wirkstoffgruppen untersuchten und dies nur bei Patienten mit isoliertem Bluthochdruck. Mit Hilfe einer grossen Datenbank, die in England von Tausenden von Hausärzten mit allen wichtigen Informationen gespiesen wird. Mehr als 8'000 Patienten mit Vorhofflimmern konnten so identifiziert werden, davon untersuchten wir 4'000 Patienten, die unseren strengen Kriterien entsprachen.
Es zeigte sich, dass durch die Behandlung mit Medikamenten aus der Gruppe der Betablocker, der ACE-Hemmern und der AT-2-Blockern eine Verminderung des Auftretens von Vorhofflimmern im Vergleich zu einer Behandlung mittels Kalziumantagonisten zu beobachten war. Dies war allerdings nur der Fall, wenn die Patienten während mindestens eines Jahres behandelt worden waren.
Da alle Blutdruckmedikamente den Blutdruck in ähnlichem Ausmass senken und so durch eine gleichzeitige Senkung des Druckes in den Vorhöfen möglicherweise das Auftreten von Vorhofflimmern verhindern können, müssen noch andere Mechanismen wirksam sein. Spekuliert wird über die Verhinderung von strukturellen Veränderungen in den Vorhöfen, was indirekt durch unsere Resultate bestätigt wird, da diese Veränderungen natürlich eine gewisse Zeit brauchen, bis sie einsetzen oder nicht.
Zusammenfassend kann man aus unserer Arbeit folgern, dass man zur Behandlung eines Bluthochdrucks eher einen Betablocker, ACE-Hemmer oder AT-2-Blocker einsetzen sollte, sofern man Vorhofflimmern verhindern möchte.
- Schaer B, Schneider C, Jick S, Conen D, Osswald S, Meier C. Risk for Incident Atrial Fibrillation in Patients who receive Antihypertensive Drugs. Ann Intern Med 2010;152:78-84.
