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Risiko für Vorhofflimmern und hoher Blutdruck

Bluthochdruck ist ein Risikofaktor für das spätere Auftreten von Vorhofflimmern. In früheren Untersuchungen hat man gesehen, dass gewisse Medikamentengruppen, die üblicherweise zur Blutdruckbehandlung eingesetzt werden, das Auftreten von Vorhofflimmern verhindern können. Die Hauptprobleme dieser Untersuchungen waren aber, dass a) nur jeweils 2 verschiedene Medikamente gegeneinander verglichen wurden und dass es sich b)bei weitem nicht nur um Patienten mit alleinigem Bluthochdruck handelte, sonder auch Patienten z.B. mit Herzschwäche oder Lungenkrankheiten eingeschlossen worden waren.

In unserer Arbeit versuchten wir, diese beiden „Fehler“ zu vermieden, in dem wir alle 5 aktuell erhältlichen Wirkstoffgruppen  untersuchten und dies nur bei Patienten mit isoliertem Bluthochdruck. Mit Hilfe einer grossen Datenbank, die in England von Tausenden von Hausärzten mit allen wichtigen Informationen gespiesen wird. Mehr als 8'000 Patienten mit Vorhofflimmern konnten so identifiziert werden, davon untersuchten wir 4'000 Patienten, die unseren strengen Kriterien entsprachen.

Es zeigte sich, dass durch die Behandlung mit Medikamenten aus der Gruppe der Betablocker, der ACE-Hemmern und der AT-2-Blockern eine Verminderung des Auftretens von Vorhofflimmern im Vergleich zu einer Behandlung mittels Kalziumantagonisten zu beobachten war. Dies war allerdings nur der Fall, wenn die Patienten während mindestens eines Jahres behandelt worden waren.

Da alle Blutdruckmedikamente den Blutdruck in ähnlichem Ausmass senken und so durch eine gleichzeitige Senkung des Druckes in den Vorhöfen möglicherweise das Auftreten von Vorhofflimmern verhindern können, müssen noch andere Mechanismen wirksam sein. Spekuliert wird über die Verhinderung von strukturellen Veränderungen in den Vorhöfen, was indirekt durch unsere Resultate bestätigt wird, da diese Veränderungen natürlich eine gewisse Zeit brauchen, bis sie einsetzen oder nicht.

Zusammenfassend kann man aus unserer Arbeit folgern, dass man zur Behandlung eines Bluthochdrucks eher einen Betablocker, ACE-Hemmer oder AT-2-Blocker einsetzen sollte, sofern man Vorhofflimmern verhindern möchte.

  • Schaer B, Schneider C, Jick S, Conen D, Osswald S, Meier C. Risk for Incident Atrial Fibrillation in Patients who receive Antihypertensive Drugs. Ann Intern Med 2010;152:78-84.

Ungenügende Umsetzung der Richtlinien zur Blutverdünnung in der Praxis

Zur Hilfe bei der Entscheidung, ob Patienten mit Vorhofflimmern eine Blutverdünnung mit Aspirin oder mit Marcoumar erhalten sollen, gibt es seit einigen Jahren den sogenannten CHADS2 Score. Fünf verschiedene Faktoren, die bei jedem Patienten leicht bestimmt werden können, fliessen in diesen Score ein. Hat ein Patient 0 Punkte, genügt Aspirin; bei 2 Punkten muss Marcoumar verschrieben werden; bei einem Punkt sollte in Absprache mit dem Patienten zwischen Aspirin oder Marcoumar entschieden werden.

In unserer Arbeit haben wir feststellen müssen, dass dieser Score von den Ärzten in der Nordwestschweiz zu wenig angewandt wird, um die optimale Blutverdünnung zu verschreiben. In der Gruppe von Patienten mit 0 Punkten erhielten 70% der Patienten Marcoumar, obwohl Aspirin genügt hätte. Umgekehrt wurden 30% der Patienten mit einem Score von 2 und mehr entweder gar nicht oder nur mit Aspirin behandelt, obwohl Marcoumar nötig gewesen wäre.

Es scheint also, dass die Schweizer Ärzte sowohl im Spital als auch in der Praxis noch besser geschult werden müssen, damit sie den Score korrekt anwenden und so Schlaganfälle als Folge des Vorhofflimmerns verhindern können.

  • Altmann D, Kühne M, Sticherling C, Osswald S, Schaer B. Use of the CHADS2 score to guide antithromobtic therapy in patients with atrial fibrillation - room for improvement. Swiss Med Wkly. 2010;140:73-77.

Hoher Blutdruck und das Auftreten von Vorhofflimmern bei Frauen

In der vorliegenden Studie haben wir den Einfluss des systolischen ("oberer Wert") und des diastolischen ("unterer Wert") Blutdrucks auf das Auftreten von Vorhofflimmern in einer grossen Gruppe von Frauen untersucht. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdrucks stark mit dem Auftreten von Vorhofflimmern verbunden sind. Je höher der Blutdruck war, desto höher war auch das Risiko an Vorhofflimmern zu erkranken. Neu in dieser Studie war vor allem die Beobachtung, dass auch Frauen mit einem noch als normal geltenden Blutdruck ein erhöhtes Risiko hatten im Vergleich zu denen mit einem tiefen Blutdruck. Eine gute Blutdruckeinstellung in der Bevölkerung könnte also die Häufigkeit dieser Erkrankung reduzieren helfen. Indirekt zeigen unsere Ergebnisse auch, dass Patienten mit Vorhofflimmern von einem tieferen Blutdruckgrenzwert profitieren könnten.

  • Conen D, Tedrow UB, Koplan BA, Glynn RJ, Buring JE, Albert CM. Influence of systolic and diastolic blood pressure on the risk of incident atrial fibrillation in women. Circulation 2009;119:2146-2152.